Die Kids sind hochmotiviert und neigen sich weit über die Kabel, die aus dem gedruckten Gehäuse ragen. An die dünnen Kupferstrippen soll ein ebenfalls winziger Knopf gelötet werden: „Ist das fummelig!“, stöhnt eine Gesamtschülerin und fragt dann ihr Team: „Könntest jemand das bitte kurz festhalten?“ Gemeinsam gelingt eben alles besser, so dass nach nicht einmal zwei Stunden alle Taster funktionsfähig sind und das Elektro-Huhn wieder Eier wie am Fließband legt. In Dreierteams arbeiteten einige Elftklässler meiner Förderschule mit ausgewählten Technik-Experten und „sozial-genial“-Kursteilnehmerinnen der Heinz-Nixdorf-Gesamtschule an den Tastern. Seit dem ersten Gespräch war uns Organisatoren klar, dass wir Jugendliche mit und ohne Behinderung im Schülerlabor zusammen bringen möchten. Darauf folgte die Partnerschaft mit der Heinx-Nixdorf-Gesamtschule und ein Kennenlernen an unserer Liboriusschule. Jetzt konnte dann endlich der eigentliche inklusive Workshops im Schülerlabor „coolMINT“ stattfinden und alle Schüler und Erwachsenen hatten viel Freude an dem vielfältigen Teamwork. image0062

Wundervoll angeleitet von den Mitarbeitern des Schülerlabors konnten die Schüler fast unmittelbar loslegen. Auf der großen Tischreihe lagen die Utensilien bereits parat: Lötkolben, -hilfe, -zinn, Schleifpapier, Zangen, Taster, Schalen und das Material bestehend aus Kabeln, Tastern und Druckfedern. Das Tastergehäuse kommt dabei aus dem 3D-Drucker. Leider gibt es nach einem Druck immer noch einige Stellen, die etwas Nachbearbeitung brauchen. Daher durften erstmal wieder das Schleifpapier und die Kneifzangen gezückt werden. Nach und nach legten die Nachwuchs-Elektrotechniker die Schalter an den Lötstationen um: „Wow, das wird 300° heiß?!“, war es an mancher Stelle zu hören. Deshalb noch einmal die Ermahnung: „Vorsichtig arbeiten! Immer das richtige Ende anfassen!“ Wieder andere Schüler wussten allerdings schon bescheid: „Ich habe zuhause schon mit meinem Vater gelötet“, erklärt eine Vierzehnjährige im E-Rollstuhl. Das Mädchen braucht aufgrund ihrer Behinderung bei der Arbeit mit den Kabeln und dem Kolben ein wenig Unterstützung. Ganz selbstverständlich bekommt sie es von ihrem Teampartner der Gesamtschule, der die Zange reicht oder die Kabel hält. image0042

Auf diese Weise lernen die Schüler nicht nur etwas über Stromkreise, sondern auch wie das Miteinander in unserer Gesellschaft verbessert werden kann. Wichtig ist mir bei diesem Workshop das gemeinsame an einer Sache. Nicht Inklusion aus puren Selbstzweck zu machen! Lieber gemeinsam Lösungen finden, die das Leben für Menschen mit Behinderung einfacher machhen. Und wenn am Ende einer spaßigen Bastelaktion dann noch ein albernes Spielzeughuhn effektvoll einige Eier legt, dann bekommen selbst die muffeligsten Teenager gute Laune.

Damit der Workshops jedoch keine Eintagsfliege bleibt, gehen wir bereits im Mai in die zweite Runde. Dann wagt sie die bunte Schülergruppe an die anspruchsvolleren Batterieunterbecher. Ich freue mich schon drauf! Anschließend stecken die Lehrer das beiden Schulen sicher nochmal die Köpfe mit den Machern des Schülerlabors zusammen, um zu überlegen, wie ein so tolles Projekt weiter gehen kann.

Doch erstmal freue ich mich über die gelungene Premiere und darüber, dass wir es mit dem Workshop in die lokale Presse geschafft haben: Einmal in die Paderborn am Sonntag und in die Neue Westfälische.

Aufgrund der Ferien, einer Kursfahrt und chronischer Zerstreutheit konnte ich bisher noch keine Einwilligungen der Eltern für Fotos meiner Schüler im Blog erfragen. Zur Zeit warten noch einige sehr schöne Bilder auf meiner Festplatte. Ich werde sie hier hochladen, sobald ich das Einverständnis aller Eltern (und Schüler!) habe ihr Gesicht zeigen zu dürfen.

Ein Kommentar zu „Es wird heiß – 300°C! Schüler löten Taster im inklusiven Workshop

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