Das Weihnachtswunder Teil 2 – Elfen im Werkraum

Der Weihnachtsmann hätte nicht stolzer seien können. Wie in einer fröhlichen Wichtel-Fabrik wuselten die Weihnachtselfen im Werkraum der Liboriusschule. SchülerInnen der Förderschule und der benachbarten Heinz-Nixdorf-Gesamtschule sind zum wiederholen Mal zusammen gekommen, um Hilfsmittel und Spielzeug für Kids mit schwersten Behinderungen zusammen zu bauen. Diesmal war der Anlass eine große Spendenaktion zu Weihnachten, zu der ich im Blog aufgerufen hatte. Sage und schreibe 38 (!) umgebaute Spielzeuge im Wert von einigen, hunderten Euros wurden barrierefrei umgebaut und an Kinder mit schwersten Behinderungen zu Weihnachten verschenkt! Was für ein toller Erfolg!

Der Tisch des Werkraums ist mit Spielzeugen vollgestellt.

Es war für mich fast wie früher, als ich durch die Schiebetür der Schule kam. Nur diesmal war ich nicht mit Arbeitsblättern gekommen, sondern mit einem Auto voll mit Spielzeugen. Das alles war den großzügigen Spenden im Vorfeld zu verdanken. Wie es dazu kam, könnt ihr ebenfalls hier im Blog lesen. Noch einmal an großes Dankeschön an alle Spender! Vor allem an die Initiative Zukunft durch Innovation (zdi) Paderborn, die sich finanziell mit einer großen Spende engagiert hat.

Vier Braunbären und ein Dino-Spielzeug warten auf ihren Umbau. Rechts sind unfertige Tastergehäuse zu sehen.

Doch ohne die unkomplizierte und tatkräftige Unterstützung des Schülerlabors coolMINT, wäre die Aktion nicht möglich gewesen. Mit Edmond „Eddy“ Thevapalan hatte ich an diesem Dienstagmorgen ausgemacht, dass wir uns direkt in der Schule treffen. Nachdem ich den Werkraum erobert hatte, kamen bereits die ersten studentischen Hilfskräfte und halfen mir beim ausladen der Armee an elektrische Plüschtieren. Meinen 3D-Drucker hatte ich ebenfalls aus dem heimischen Keller befreit und mitgebracht. Er spuckte zusammen mit dem MakerBot (mein Erkär-Video dazu) meiner alten Schule noch einige Taster aus, die passend zum Spielzeug gebaut und verschenkt wurden. Das Material zum Umbau und die benötigten Werkzeuge hatte das Schülerlabor mitgebracht, vielen Dank! Nachdem alles auf den Tischen bereit stand, kamen schon die ersten SchülerInnen herein.

Ein 3D-Drucker druckt einen roten Ring.

Die ersten Kids, die kamen, gehörten zu meiner letzten Klasse an der Schule und wir freuten uns über das Wiedersehen. Einige kamen frisch aus dem Praktikum und packten ohne große Erklärungen direkt an: „Ich habe auf der Arbeit ständig gelötet, kein Problem“, flötete Christoph und hatte bereits das erste Kabel in der Hand, um ihn an einem furzenden Affen zu verbauen. Ein wenig neidisch auf seine ruhige Hand, machte ich mich mit meinem ehemaligen Schüler Jonas daran einen trampelnden Dino ebenfalls zu verdrahten. Wir quatschten, lachten und hatten mit viel Teamwork nach wenigen Minuten die ersten Erfolge. Ich war baff! In diesem Tempo sollten wir in den vier angesetzten Stunden einiges schaffen.

Zwei Schüler bearbeiten mit Zange und Lötkolben einen unschuldigen Affen. Pulp Fiction Referenz! Telefonstreich! Telefonstreich!

Wenig später trudelten die SchülerInnen der Gesamtschule ein. Viele kannten unsere Schule durch ihr sozial-genial Projekt bereits oder waren beim letzten Mal dabei. Berührungsängste gab es keine, jeder Weihnachtswunder-Helfer wusste sofort, was zu tun ist. Wenn es mal ein Problemchen gab, dann sprangen die Mitarbeiter des Schüerlabors sofort kompetent ein. Es war für mich die helle Freude dem geschäftigen Gewusel zuzuschauen, wohlwissend, dass hier in wenigen Stunden mehr Spielzeuge umgebaut wurden, als ich nach Feierabend in einer ganzen Woche geschafft hätte.

Ein Mann und eine junge Frau inspizieren ein Kabelende, das aus einem Spielzeug-Schneemann heraus kommt (Olaf).

Ich kann kaum erklären, wie wundervoll ich die Aktion auf so vielen Ebenen finde. Auf der einen Seite lernen SchülerInnen den Umgang mit Technik und dem Lötkolben und auf der anderen Seite das soziale Miteinander in einer alters-gemischten und inklusiven Gruppe. Außerdem sind zwei Schulen, viele Lehrer, das Schülerlabor mit ihren studentischen MItarbeitern und die Initiative Zukunft durch Innovation (zdi) beteiligt. SchülerInnen mit und ohne Behinderung bauen zusammen Spielzeug um, damit es barrierefrei und für Kids mit schwersten Behinderungen nutzbar ist. Wie cool ist dass denn bitte?! Doch was mich am meisten beeindruckt hat: Die ausgelassene Stimmung! Es wurde gescherzt, gefoppt und viel über die witzigen Spielzeuge gelacht. Wir hatte einfache alle eine super Zeit.

Spielzeuge, Lötkolben, Schleifpapier und viele weitere Materialien liegen auf dem Werktisch. Ringsherum sitzen Schüler und lachen. Zwei davon sind über den Spielzeugen gebeugt und scheinen sich daran zu schaffen zu machen. Vielleicht hat der Affe wieder gefurzt?! Da bleibt kein Auge trocken. Außer man hat keinen Humor. So wie der alte Witz: Sagt der Arzt: "Wir haben ihnen ihren Sinn für Humor herausoperiert!" Sagt der Patient: "Kann ich nicht drüber lachen!"

„Da sind wir doch im siebten Pädagogenhimmel“, strahle ich die Kollegin Julia Schäfer der Gesamtschule an. Gerade hatte ein Technik-Schülerexperte gefragt, ob ihm eine Mitschülerin beim Zusammennähen helfen könnte, die den sozial-genial Kurs belegt. Spielerisch voneinander lernen und dabei etwas für die gute Sache tun – besser geht es doch nicht, oder? 🙂

Ein Bild wie das letzte Abendmahl von Da Vinci. Ich sitze in der Mitte und alle drum herum schauen teilweise auf den Tisch davor oder auf mich. Biblisch!

Besonders habe ich mich auch über die allgemeine Aufmerksamkeit gefreut. „Hallo ich komme von der Neuen Westfälischen“, sprach mich plötzlich eine junge Frau an, die einen sehr schönen Artikel über unseren fleißigen Vormittag verfasst hat. „Können wir noch ein Gruppenfoto machen?“, fragte mich Uwe Schoop vom zdi, der ebenfalls einen tollen Bericht für die Paderborner Wirtschaftsförderung schrieb. Über das Schülerlabor schafften wir es außerdem noch auf die Homepage der Uni Paderborn. Mehr geht doch nicht, oder? Höchstens noch ein tolles Gruppenbild mit allen Teilnehmern, das ich posten darf.

Gruppenbild: Die SchülerInnen und Erwachsenen halten Spielzeuge und blinzeln schön aufgereiht in die Kamera.

Wahrscheinlich hätten wir ohne Pause durchgearbeitet, wenn nicht die (Schul-)Pflicht einige Gesamtschüler zur Deutscharbeit gerufen hätte. Die SchülerInnen der Liboriusschule verabschiedeten sich ebenfalls und gingen zum Mittagessen. „Wir bleiben noch etwas“, sagten dagegen ganz freiwillig die Neuntklässler der Gesamtschule und halfen den Mitarbeitern des Schülerlabors und mir dabei den Werkraum wieder herzurichten und einige umgebaute Spielzeuge einzupacken.

Die Umgebauten Spielzeuge auf dem Tisch: Huhn, Affe, Dino, Bär, Schneemann usw.

Doch wohin ging es für die ganzen Spielsachen? Sind sie tatsächlich dort angekommen, wo sie gebraucht werden können, oder spiele ich jetzt den ganzen Tag damit?! Davon schreibe ich demnächst hier im Blog, im dritten und letzten Teil, also bitte noch etwas Geduld. 😉

Vielen Dank für das Bereitstellen der tollen Bilder ans Schülerlabor und das zdi Paderborn!

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