„Nebenan ist der Snoezelraum“, erklärt Ingo Bosse schmunzelnd. Tagsüber arbeitet hier im Dortmunder Norden eine Gruppe von Menschen mit Behinderung, die sich dort manchmal eine verdiente Auszeit gönnt. Jetzt wollte ich mich allerdings noch nicht hinlegen. Gerade angekommen verschaffe ich mir einen Überblick über die Räume von Selfmade. An diesem Abend verwandeln drei „Ultimaker“-3D-Drucker den großen Raum in einen MakerSpace. Es ist groß und freundlich. Auf dem Tisch stehen Blumen.IMG_20171102_194328Zwei Mal in der Woche findet hier der Druck-Betrieb statt. Dann surren die Maschinen und spucken Hilfsmittel aus. „Wir wollen alles ganz einfach gestalten. Die Hilfsmittel stehen im Regal, daran hängt eine SD-Karte, die dann nur noch in den Drucker kommt“, erklärt der Forscher und Neu-Maker seine Idee. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Der Name „Selfmade“ ist Programm. IMG_20171102_194320

An diesem Donnerstagabend haben es die Besucher jedoch nicht auf individuelle Plastik-Helfer abgesehen. Es wurde überraschend mehr ein Betriebsbesuch unter Branchenkennern. Oder vielleicht eher wie ein Klassentreffen? In dem einen Moment halte ich noch einer jungen Frau die Tür auf und im nächsten stelle ich fest, dass es Cinderella Glücklich von HelpCamps ist. Mit ihr hatte ich sehr netten Kontakt über das Telefon und per Mail. Wenig später kommt ihr Kollege Niels Lichtenthäler durch die Tür und wir sind uns alle einig: „Was für ein wundervoller Zufall!“

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Niels Lichtenthälter, Nils Beinke, Cinderella Fröhlich und Ingo Bosse (v.l.) beim überraschenden Klassentreffen der Ethusiasten für individuelle Hilfsmittel.

Für die spontane Vermehrung der Runde packt unser Gastgeber sogar noch einmal den grünen Koffer aus. Darin findet sich eine schöne Auswahl an bereits vorhandenen Hilfsmitteln des „Light Cares“-Projekts. Die möchte der Junior-Professor seinen Studenten im nächsten Seminar zeigen. Das Auspacken wird schnell zur kurzweiligen Raterunde: „Muss ich das so halten?“, fragt Cinderella, als sie die Buch-Halte-Hilfe in die Hand nimmt und rätselt. Mit ein wenig Erklärung, stellt sich schnell raus, dass viele Lösungen sehr „pfiffig“ sind, wie meine Mutter sagen würde. Vor allem die ausgeklügelte Vorrichtung für eine Cola-Dose: „Vorher war es einer AWO-Mitarbeiterin aufgrund eingeschränkter Feinmortorik nicht selbst möglich die Dose zu öffnen“, erklärt Ingo Bosse. Steht die Cola erstmal fest in der Halterung, hilft ein 3D-gedruckter Hebel, um die Dose zu öffnen. Jetzt nur noch den Strohhalm rein: Prost!

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Da ein solches Treffen nicht ohne Ergebnisse bleiben dürfe, hier von mir als Blogger der Runde das Protokoll der Ideen zur gemeinsamen Weiterarbeit. Ob Uni oder Schule, einen Schreiber muss es schließlich immer geben. 😉 Also, was haben wir vor?

  • Wieder so nett zusammen fachsimpeln beim BarCamp am 9. Dezember 2017
  • einen zukünftigen Workshop von und mit MHC in Dortmund zum Schalter-Basteln
  • einen Besuch von Selfmade in der Paderborner kmE-Schule
  • Zusammenarbeit von Selfmade, MHC und FabulandLabs (vermutlich an einer Fußschiene)
  • Eventuell gemeinsam (Selfmade und MHC) über unsere Projekte bloggen

In lustiger Runde unterhielten wir uns dann noch einige Zeit und überzogen dabei ganz ordentlich die Öffnungszeiten. Nach dem obligatorischen Gruppenbild und herzlichen Verabschiedungen, ging es dann für mich wieder zurück durch die Nacht nach Paderborn. Mit im Gepäck zwar kein Koffer mit Hilfsmittel (den brauchte Ingo Bosse leider noch 😉 ), dafür aber mit vielen tollen Ideen und dem Wissen, dass hier etwas in Bewegung gerät. Vielleicht sogar eine kleine Bewegung daraus wird?

Ein Kommentar zu „Klassentreffen der Hilfsmitteldrucker

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