Meine großartige Erfahrung mit MakerVsVirus

Die Corona-Pandemie hat unser Leben noch ganz ordentlich im Griff. Egal, wie es nach Ostern weitergeht, eine bekannte Normalität ist nicht in Sicht. Dazu kommen die vielen Menschen, die erkrankte Angehörige haben und sich große Sorgen machen oder sogar ein Familienmitglied verloren haben. Solche Zeiten können beängstigend sein. Das daraus auch wundervolle Solidarität entstehen kann, durfte ich jetzt selbst erleben.

Endlich da: Das Hilfsmittel das alles verändert

Kurz nach meinem letzten Beitrag zum Prusa-Faceshield bin ich auf MakerVsVirus.org gestoßen. Es war eine Offenbarung. Die ganzen Jahre mit Makers Help Care habe ich eine Möglichkeit der Zusammenarbeit von Makern im pflegerischen Bereich gesucht. So traurig der Anlass ist, desto schöner ist es zu sehen, dass die Idee funktioniert. Dafür braucht es nur ein „Killer-Hilfsmittel“ (wie ich schon vor Jahren gesagt habe). Jetzt ist es da: Das Face-Shield!

Mein erster Prototyp des Face-Shields. Es besteht aus zwei Teilen aus dem 3D-Drucker, einer Folie und einem Gummiband. Quelle: MakersHelpCare

Tausende Maker werden zu Helfern

Unkompliziert rief das Hammertime Kassel (eine von vielen offenen Werkstätten in Deutschland) auf sich unter MakerVsVirus.org zu registrieren und über das Chat-Tool Slack beizutreten. Dort sollte mit den heimischen 3D-Druckern die Not der Klinken, Ärzte und Pfleger an Ausrüstung abgemildert werden. Als ich dazu kam, fand ich etwa 2000 Maker vor (wow!). Mittlerweile sind es über 6000 (mind = blown!). Ich denke es lässt sich von einer echten Maker-Bewegung sprechen.

An Orten wie diesen produzieren die Maker die Faceshields. Hier zu sehen: Halle1, der MakerSpace der Westfälischen Hochschule Foto: MakerVsVirus.org

Helfen kann so einfach sein

Sich einzubringen ist denkbar unkompliziert. Die benötigte Datei wird heruntergeladen und auf den 3D-Drucker übertragen (mein Video dazu). Das ist kinderleicht. Sind einige Gestelle für die Maske fertig, werden sie in deiner Umgebung eingesammelt und weitergereicht. Da ich direkt Feuer gefangen habe, postete ich auf Facebook in meiner Heimat einen Aufruf sich zu beteiligen. Daraufhin meldete sich ein Intensivpflegedienst in der Nähe. In dieser Phase lief der Drucker etwa 24 Stunden am Tag. Dazu kam noch eine freundliche Lieferung an Gestellen aus Rödinghausen von einem weiteren, engagierten Maker. So hatte ich bald die Teile zusammen. Die fehlenden Visiere holte ich mir aus Bielefeld (kontaktlos!). Am Dienstag folgte die Übergabe in der Früh, da ich weiter zu Schule zur Notbetreuung musste.

In zwanzig eingeschweißten Paketen (um Kontamination zu verhindern) belieferte ich einen Intensivpflegedienst mit den Face-Shields. Quelle: MakersHelpCare

Morgens empfingen mich vier Mitarbeiter des Intensivpflegedienstes mit großer Freude. Schutzausrüstung sei praktisch nicht zu bekommen: „Wir bereiten schon Masken wieder auf“, sagte man mir. Die Gesichtsmasken ergänzen jetzt den Schutz für Pflegeteam und Patienten, da gerade bei der Pflege von beatmeten Menschen große Vorsicht notwendig ist. „Die sind richtig professionell!“, bekomme ich als Rückmeldung zu den Masken und kann den Eindruck nur bestätigen. Das ist großartige Ausrüstung, die aus den Bastelzimmern der Republik kommt. Eingesetzt wird es nun bei Patienten, die unter anderem auch beatmet werden müssen.

Die großartige Rückmeldung mit einem Kommentar dazu von mir. Quelle: Facebook

Das Wir gewinnt gegen den Virus

Führen wir uns das Wundervolle noch einmal vor Augen: Aus einer einfachen Webseite sind tausende Helfer geworden, die dezentral die Leistung eines mindestens mittelständischen Betriebs in wenigen Tagen auf die Beine gestellt haben. Ehrenamtlich! Unentgeldlich! Deutschlandweit!

Bei Bedarf kann sich jeder über alle möglichen Kanäle melden. Ich habe auch schon eine rührende Facebook-Nachricht einer Logopädin als Leipzig weiter geleitet. Lasst einfach einen Hinweis über das Kontakt-Formular da.

Falls ihr jetzt genauso überzeugt seid, wie ich, allerdings keinen 3D-Drucker besitzt, dann sind Spenden gerne genommen. Die Teile kosten schließlich auch etwas Geld. Wir Maker gehen zwar gerne in Vorleistung, doch sicher wird bei manchen irgendwann der Punkt erreicht sein, wo es nicht mehr leistbar ist. Daher schaut doch mal auf https://www.makervsvirus.org/spenden/

4 Gedanken zu “Meine großartige Erfahrung mit MakerVsVirus

  1. Hallo Nils, ich habe diesen Link von ‚Rene We‘ aus Osnabrück erhalten, der in der facebook-Gruppe darauf hinwies, dass es über ihn (kostenlose) Visiere für Medizinpersonal gibt. Ich bin wohnhaft in Osnabrück, unsere Praxis ist jedoch in Herford. Vielleicht kannst du mir nun weiterhelfen. Wir sind ein Team aus 12 Ergotherapeuten & Logopäden und arbeitet aktuell täglich mehrere Stunden mit Alltagsmaske. Da diese auf Dauer sehr warm sind und mitunter die Ohren reizen, wäre eine Alternative wirklich toll!

    Besuch uns gern auf unserer homepage: http://www.therapiezentrum-herford.de

    Freue mich auf deine Antwort! Liebe Grüße aus Herford!

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    1. Andreas

      Das klingt auch nach einer Einsatzmöglichkeit der mittlerweile berühmten Maskenbänder/Ohrenschoner: https://www.thingiverse.com/thing:4249113 (superschnell und einfach zu drucken). Zum Thema „Alternative“ möchte ich doch noch was loswerden: Zur Zeit bekommen wir vermehrt Anfragen mit der Bemerkung, dass man sich mit den beschriebenen Gesichtsschilden das Tragen von Mund-Nasen-Maske sparen möchte, und dies ist soweit mir bekannt leider nicht wirklich möglich (bin allerdings kein Experte zum Thema). Das Gesichtsschild hilft gegen direkte Spritzer, aber nicht gegen feine Tröpfchenwolken. Niest der Träger eines Gesichtsschildes, besteht eigentlich kein nennenswerter Schutz der Umgebung vor der Tröpfchenwolke (nur vor direkten „Projektilen“). Deswegen sehe ich (wie gesagt kein Experte) Gesichtsschilder vor Allem als möglichen Zusatz wenn Mund-Nasen-Masken objektiv oder subjektiv nicht ausreichen. Zudem wird ggf. in den aktuell gültigen Regelungen das Gesichtsschild nicht als Ersatz zur Mund-Nasenmaske anerkannt. Daher auch mein Vorschlag um lieber zuerst das Tragen von Mund-Nasen-Masken erträglicher zu machen, dann kann man schonmal den Mindeststandard erreicht und kann gerne zusätzlich Gesichtsschilde einsetzen. Vielen Dank für den supernetten und informativen Artikel! Bleibt gesund und achtet auf Euch.
      Andreas (Maker vs Virus Hub Aachen)

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